Flucht aus der Gegenwart in das Ende der Welt

Erste Seite des Aufsatzes "Apocalyptic Escapism? Futuristic Imagination and Apocalyptic Media at the End of History"

Als Teil des Sammelbandes Gaming the Apocalypse (hrsg. von Nathalie Denk, Nikolaus Koenig, Alexander Pfeiffer & Thomas Wernbacher) liefert unser Vereinmitglief Danny Hinrichs eine Analyse eines Paradoxons zwischen Realitätsflucht und Apokalypse.

In einer Zeit, in der reale Krisen allgegenwärtig scheinen, boomen Videospiele und Medien, die den totalen Zusammenbruch der Zivilisation thematisieren. Doch warum suchen wir Erholung in Ruinen? Danny Hinrichs knüpft hier an die berühmte These vom „Ende der Geschichte“ an. Er beschreibt ein gesellschaftliches Gefühl der Alternativlosigkeit: Die heutige Welt wirkt so festgefahren, dass es uns leichter fällt, uns das Ende der Welt vorzustellen als eine grundlegende Änderung unserer Lebensweise. In diesem Kontext wird die mediale Apokalypse zum „Ventil“. Sie bietet den Spielenden einen radikalen Bruch mit der Gegenwart an, den die reale Politik scheinbar nicht mehr leisten kann.

Anhand von berühmten Beispielen, wie Fallout oder The Last of Us, zeigt der Aufsatz auf, welche besondere Formen von Eskapismus es gibt. Dabei geht es nicht nur um das Verlassen der Realität, sondern um das Wiedererlangen von Wirksamkeit. In der digitalen Post-Apokalypse sind die komplexen, oft erdrückenden Strukturen der modernen Welt (Bürokratie, Finanzsysteme, globale Abhängigkeiten) verschwunden. Übrig bleibt eine Welt, in der jede Handlung des Einzelnen zählt und unmittelbare Konsequenzen hat. Die Apokalypse wird so zum Sehnsuchtsort für individuelle Freiheit und Relevanz.

Ein kritischer Kernpunkt der Arbeit ist dennoch die Frage nach unserer futuristischen Vorstellungskraft. Hinrichs warnt davor, dass der ständige Konsum von Untergangsszenarien unsere Fähigkeit lähmen könnte, uns positive, konstruktive Zukünfte auszumalen. Wenn die einzige vorstellbare Veränderung die totale Zerstörung ist, wird die Apokalypse zu einem „konsumierbaren Produkt“, das uns paradoxerweise in der Passivität der Gegenwart gefangen hält.

Der Aufsatz steht online zur Verfügung: 

https://door.donau-uni.ac.at/api/object/o:5811/preview?lang=en