In seinem aktuellen Essay Trial and Terror, erschienen im Journal UMBAU der HfG Karlsruhe, analysiert Jacob Birken die Paradoxien von Spoilern, Scheitern und Wissen in Videospielen und stellt die Frage: Können wir uns in einer Zeit echter Katastrophen noch den Luxus fiktiver Ungewissheit leisten?
In einer Welt, die von unumkehrbaren Klimaveränderungen und politischen Umbrüchen geprägt ist, gewinnt das Konzept des Trial and Error (Versuch und Irrtum) eine neue, beklemmende Bedeutung. Birken geht also von der Beobachtung aus, dass wir in der Popkultur „Spoiler“ fürchten, während Wissen im realen Leben, wie z. B. politische Fakten, essenziell ist. Warum also wollen wir in der Fiktion das Ende nicht kennen? Anhand der Videospiel-Reihe Zero Escape zeigt er auf, dass Spiele eine „emotionale Wette“ sind. Ein Spoiler entwertet nicht nur die Handlung, sondern die gesamte investierte Arbeit und Zeit des Spielers. In einer kapitalistischen Logik wird das Spiel so zum Risiko, bei dem man seinen „Selbstwert“ einsetzt.
Als zentrales Beispiel nutzt Birken hier das Spiel 999: Nine Hours, Nine Persons, Nine Doors, wo die Charaktere Rätsel lösen müssen, um nicht zu sterben. Als besonderes Element des Spiel werden die Spieler*innen dazu gezwungen in verschiedenen Zeitlinien immer wieder grausam zu scheitern, um Informationen für den einen „wahren“ Pfad zu sammeln.
Im Essay zieht er Birken eine düstere Parallele zur Gegenwart: Während Videospiele uns erlauben, aus Fehlern zu lernen (Trial and Error), verzeiht die Realität keine “großen” Fehler. So wie etwa beispielweise beim Klimawandel. So kritisiert er „naiven Solutionismus“, der darauf vertraut, dass für jedes Problem rechtzeitig eine technische Lösung „erfunden“ wird, so wie im Spiel das rettende Rätsel gelöst wird.
Der vollständige Artikel ist online auf der Plattform UMBAU der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe verfügbar:
https://www.inlibra.com/de/document/view/pdf/uuid/16b05fc3-6a28-39e6-bb98-5ea05a511edf